Preis Politische Bildung 2011

Politische Bildung und Politische Partizipation
Unsere Demokratie lebt vom kritischen und wachsamen Geist der Bürgerinnen und Bürger, die aus ihrer jeweiligen Perspektive die gesellschaftspolitischen Entwicklungen betrachten und sich öffentlich für ihre eigenen und die Belange Anderer einsetzen. Kritisches Urteilsvermögen über politische und gesellschaftliche Sachverhalte sowie öffentliches Engagement in Politik und Zivilgesellschaft stehen häufig in engem Zusammenhang mit der Politischen Bildung.

Ausgezeichnet wurden Projekte und Veranstaltungen, die

  • die demokratische politische Kultur in nachhaltiger Weise stützen und entwickeln helfen
  • politisches und historisches Lernen kreativ, teilnehmerorientiert und in aktivierender Weise fördern
  • für das Gemeinwesen wichtige neue Themen in die Arena der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung einbringen

Die prämierten Projekte zeigen, wie politische Bildung demokratische Kultur befördert:

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Platz 1
PARLAMENT — Kommunalwahlen in Slubfurt
Slubfurt e.V., Frankfurt (Oder)

Dem Projekt „PARLAMENT– Kommunalwahlen“ geht 1999 die Gründung der im Register der Europäischen Städtenamen eingetragenen Stadt Slubfurt voran, die zur Hälfte in Deutschland und Polen liegt. Der Name entstand aus den einzelnen Bausteinen der betreffenden Städte Frankfurt und Slubice. Es folgte die Gründung eines Parlaments, getragen von Bürgern der Städte Frankfurt und Slubice. Auf der Basis des Slubfurter Grundgesetzes konnten Parteien gebildet werden und Kommunalwahlen stattfinden. Es sollten mindestens 6 Parteien entstehen, die im Wahlkampf gegeneinander antreten, sich in einem Rhetorikworkshop ausbilden lassen, Folder und Plakate inhaltlich entwickeln, auf einer Wahlkampfbühne ihr Können zeigen und sich nach der Wahl im frisch gewählten Parlament zur ersten konstituierenden Sitzung zusammenfinden. Das Projekt setzt sich auf komplexe Weise mit Fragen nach dem Entstehen von Wirklichkeit und Identität auseinander und der bürgergesellschaftlichen „Selbstgestaltung“ eines Stadtraumes, der in zwei Ländern mit zwei unterschiedlichen Gesellschafts– und Denksystemen und Sprachen liegt.

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Platz 2
Politik trifft Hartz IV. Neue Verbindungen wagen
Nell-Breuning-Haus, Herzogenrath

Vor Beginn des Projektes „Politik trifft Hartz IV“ lud das Nell-Breuning-Haus zu diesem Thema Betroffene Personen zu dem Seminar „Das Leben ist kein Ponyhof“ ein. Über kreative Methoden der Arbeit wie des politischen Theaters, der Fotografie und Pressearbeit wurde auch bildungsfernen Teilnehmenden der Zugang zum Thema ermöglicht. Das Seminar verfolgte zunächst einen biografischen Zugang zu Erfahrungen und Ressourcen, im zweiten Teil wurde diese Perspektive geöffnet um die Wahlmöglichkeiten, die sie als Bürger in Politik, Gemeinwesen und Kultur haben. Die aktive Auseinandersetzung der Teilnehmenden mit dem Thema bewegte die Betroffenen dazu, ihre Anliegen zukünftig in politischer und kultureller Bildung platzieren zu wollen. In dem Projekt erarbeiteten die Teilnehmenden in zwei weiteren Seminaren Strategien zur Anwerbung weiterer Partner, um im Juni eine große Tagung vor Ort mit Landespolitikern der Region Aachen zum Thema Hartz IV zu veranstalten. Zugleich bildeten sie aus ihrem Kreis eine Steuerungsgruppe zum Thema Öffentlichkeitsarbeit und Tagungsvorbereitung. Die drei Foren zur Tagungseröffnung waren „Jugend und Hartz IV“, „50plus und Hartz IV“ und „Familie und Hartz IV“. Die Arbeit vorab innerhalb dieser Themengebiete schloss sich der kreativen Vermittlung des „Ponyhof“- Seminars an. Abschließend diskutierten rund 200 Langzeitarbeitslose auf „Augenhöhe“ mit PolitikerInnen über die Folgen der Langzeitarbeitslosigkeit — authentisch-lebensnah, die Situation von Langzeitarbeitslosen sichtbar machend.

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Medienpreis
PHOENIX-Politiker-Speed-Dating — ein Jahr Schwarz-Gelb“ und „Schlichtungsgespräche zu dem Bahnprojekt Stuttgart 21″
PHOENIX, Bonn

In der programmatischen Ausrichtung des Nachrichtensenders ist zu lesen: PHOENIX dient der politischen Meinungs– und Willensbildung der Bürgerinnen und Bürger, es sollen Hintergründe erhellt und Zusammenhänge dargestellt werden. Damit soll der Spartenkanal den demokratischen Parlamentarismus und die europäische Integration fördern. Mit den Projekten „PHOENIX-Politiker-Speed-Dating“ und „Schlichtungsgespräche zu dem Bahnprojekt Stuttgart 21″ ist es PHOENIX gelungen, mit unkonventionellen Formen (Speed-Dating) und einer groß angelegten und medial aufbereiteten Darstellung eines Großprojektes ein politisches Vorhaben Interesse zu wecken und die über einen langen Zeitraum wach zu halten.

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Sonderpreis
GenderCamp 2010
ABC Bildungs– und Tagungszentrum e.V., Drochtersen-Hüll
http://www.abc-huell.de/2010/05/28/ruckblick-auf-das-gendercamp-2010/

Das vom Bildungs– und Tagungszentrum ins Leben gerufenen Projekt „Gender Camp 2010″ war das weltweit erste BarCamp zum Thema Geschlechterverhältnisse und Netzpolitik. Es umfasste insgesamt 25 Sessions, bei denen die Teilnehmenden in Form von Präsentationen, Lesungen, Bastel-Sessions, kreativer Textarbeit oder als interaktive Web-Browsing-Session Themen rund um die Eckpfeiler Internet und Geschlechterverhältnisse diskutierten und abschließend ein Auswertungsplenum erstellt wurde. Die Idee des Gender Camps liegt den sogenannten BarCamps zugrunde, bei denen es sich um offene, im Netzwerk konzipierte Tagungen handelt, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmenden selbst bestimmt werden. BarCamps mit politischer Bildung zu vereinen und dieses Format in klassischen Bildungsstätten durchzuführen ist neu. Mit dieser Veranstaltung konnten erfolgreich neue Zielgruppen für die politische Bildung gewonnen werden.

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Sonderpreis
Radio CORAX
CORAX e.V., Halle/Saale

Radio CORAX ist ein gemeinnütziges Projekt, in dem sich Menschen unterschiedlichen Alters, sozialer und kultureller Herkunft zusammenschließen und sich über das Medium Radio Gehör verschaffen. Empfangen wird Radio CORAX 24 Stunden täglich zwischen Leipzig und Magdeburg. Über Workshops und mit Hilfe von Patenschaften können sich Teilnehmende Radio– und Medienkompetenz aneignen. Hier wird besonderes Augenmerk auf den spezifischen Background der Betreffenden gelegt, wie etwa Sprache, Alter und geschlechtsspezifische Gegebenheiten. Alle Programminhalte werden ehrenamtlich produziert. Die entstehende Rückkopplung zwischen den Radio-Machenden und den Hörern von Radio CORAX und daraus entstehende Debatten zu soziokulturellen und gesellschaftspolitischen Themen zeichnen die Vielfalt des Mediums aus.