3 Fragen an – Empowered by Democracy https://empowered-by-democracy.de Stärken. Bilden. Vernetzen. Tue, 17 Dec 2019 09:28:29 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.4.2 „3 Fragen an …“ Maud Vogel https://empowered-by-democracy.de/2019/10/02/3-fragen-an-maud-vogel/ Wed, 02 Oct 2019 09:05:58 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=2357 „„3 Fragen an …“ Maud Vogel“ weiterlesen

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Foto: Christoph Breuer

Wie sensibilisiert man Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationserfahrung für Antisemitismus? Maud Vogel sprach mit uns über ihre Erfahrungen in der politischen Jugendbildung.

Warum ist Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft ein Thema?
Antisemitismus findet sich in allen gesellschaftlichen Gruppen und Bereichen: im rechten und linken politischen Spektrum, in der sogenannten Mitte der Gesellschaft und im politischen Islam. Der Hass auf Jüdinnen und Juden lässt sich in allen Gruppen sowohl geschichtlich nachzeichnen als auch an aktuellen Beispielen belegen. Dabei tragen Menschen antisemitische Ressentiments und Stereotype häufig nicht bewusst und auch gegen eigene Absichten weiter. In der deutschen Einwanderungsgesellschaft sind wir mit speziellen Formen des Antisemitismus konfrontiert. Die historischen, politischen und religiösen Bezüge hängen mit dem jeweiligen Migrationshintergrund von Einwanderungsgruppen und ihrer gesellschaftlichen Situation zusammen. Die Rede von einem „importieren Antisemitismus“ dient allerdings nur dazu, sich der notwendigen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen zu entziehen. Sie suggeriert, dass es vor der Zuwanderung, insbesondere aus Ländern des Nahen Ostens, kein Problem mit antisemitischen Ressentiments gab. Das stimmt so nicht und spielt Menschen gegeneinander aus.

Bei „Empowered by Democracy“ arbeiten Sie mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationserfahrung. Wie bringen Sie ihnen das Thema Antisemitismus nahe?
Wir finden es besonders wichtig, Jugendlichen ein Verständnis von Antisemitismus zu vermitteln, das sich nicht allein auf die Zeit des Nationalsozialismus beschränkt. Wir nehmen auch in den Blick, wie anpassungsfähig antisemitische Ressentiments sind und wie beständig sie sich halten. Woher kommen jüdinnen- und judenfeindliche Stereotype? Welche Funktion erfüllen sie? Wie können wir aktuellem Antisemitismus als Individuen und als Gesellschaft begegnen? Diese Fragen stehen im Fokus unserer Arbeit. Zum gesellschaftlichen Leben in Deutschland gehört aber auch die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Wir möchten die Jugendlichen für unsere gemeinsame Verantwortung im Umgang mit dem Nationalsozialismus und seinen Folgen sensibilisieren – unabhängig von kulturellen, sozialen oder ethnischen Hintergründen.

Welchen Beitrag leistet die politische Jugendbildung, um antisemitischen Stereotypen und Verschwörungstheorien entgegenzutreten?
Es gibt noch zu wenige Projekte und Initiativen, die auf aktuelle Erscheinungsformen des Antisemitismus eingehen und sie zum Inhalt pädagogischer Arbeit machen. Das beobachte ich gerade in Sachsen. Gleichzeitig hat Antisemitismus für die meisten Jugendlichen kaum Bedeutung. Weder der historische Antisemitismus noch die gegenwärtige Situation von Jüdinnen und Juden sind Themen, über die sie regelmäßig nachdenken und reden. Die wichtigste Aufgabe antisemitismuskritischer Bildungsarbeit ist daher nicht nur, Jugendliche aufzuklären oder Wissen zu vermitteln. In erster Linie möchten wir bei den Jugendlichen Interesse wecken und sie für das Thema sensibilisieren. Wenn uns das gelingt, können wir antisemitische Denkmuster in Frage stellen und alternative Sichtweisen aufzeigen.

Über Maud Vogel
Maud Vogel arbeitet freiberuflich in der politischen Jugendbildung. Für „Empowered by Democracy“ betreut sie das Projekt „Erinnerungskultur in der Migrationsgesellschaft“, das von ARBEIT UND LEBEN Sachsen in Kooperation mit dem Bildungsverein „Parcours“ durchgeführt wird. Die Maßnahme möchte Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationserfahrung für historischen und aktuellen Antisemitismus sensibilisieren.

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„3 Fragen an …“ Özlem Topuz https://empowered-by-democracy.de/2019/04/26/3-fragen-an-ozlem-topuz/ Fri, 26 Apr 2019 12:38:09 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=2110 „„3 Fragen an …“ Özlem Topuz“ weiterlesen

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Was bedeuten Demokratie und Teilhabe in unserer Gesellschaft? Wie stellen wir sicher, dass Demokratie für alle ist? Drei Fragen an Özlem Topuz, die für Jugendliche in den „Come as you are“-Seminaren Raum für Austausch und Begegnungen schafft.

Der Schwerpunkt von „Empowered by Democracy“ liegt auf jungen Menschen mit Fluchterfahrung. Welche Erfahrungen machen Sie in der Arbeit mit dieser Zielgruppe zum Thema Demokratie und Teilhabe?
Jede Demokratie ist eine Errungenschaft. Aber Demokratie ist eben nicht für alle zugänglich. Es geht darum, diese Zugänge zu schaffen und sie zu erhalten. Wir sollten Demokratie inklusiver denken und die Anliegen wirklich aller ernstnehmen. Häufig wird vorausgesetzt, dass junge Menschen, die zu uns kommen, kein Verständnis für Demokratie hätten oder dass sie die Demokratie nicht als Wert begreifen würden. Das ärgert mich, denn eigentlich sind diese jungen Menschen die größten Demokratiebefürworterinnen und -befürworter. Unter anderem deswegen kommen sie ja zu uns. Medial werden sie teilweise als die größten Demokratiefeinde dargestellt. Dabei haben wir selbst zunehmend hausgemachte Demokratiefeinde in Europa. Das eigentlich ist erschreckend.

„Vielfalt leben, Demokratie feiern!“ – so beschreiben Sie politische Teilhabe in der Migrationsgesellschaft. Ist die Demokratie für uns so selbstverständlich, dass wir sie gar nicht mehr wahrnehmen?
Ja, ich beobachte, dass die Demokratie vielen nicht bewusst ist. Häufig konsumieren wir sie einfach. Es reicht nicht, alle vier Jahre zur Wahl zu gehen. Wir sollten uns dieses Geschenk, das uns von all den Menschen durch ihre jeweiligen Kämpfe und ihrem Einsatz für eine gerechtere Welt gemacht wurde, immer wieder bewusstmachen. Häufig sind junge Menschen mit Fluchterfahrung in diesen Themen sehr viel reflektierter als diejenigen, die hier aufgewachsen sind. Die Neuzugezogenen machen uns wieder bewusst, dass unsere demokratischen Werte eine große Errungenschaft sind. Wie uns die Vergangenheit gelehrt hat, ist Demokratie eben nicht selbstverständlich. Jede und jeder Einzelne muss sich dafür stark machen, dass das so bleibt.

Ihre Arbeit richtet sich unter anderem an Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund. Was möchten Sie für diese Teilnehmer*innen erreichen?
Der sogenannte Migrationshintergrund wird oftmals so sehr in den Vordergrund gestellt, dass der Mensch dahinter nicht mehr sichtbar ist. Für diese Sichtbarkeit zu sorgen, sehe ich als meine Aufgabe. Aber ich würde nicht sagen, dass sich meine Arbeit nur um Mädchen und Frauen mit Migrationsbiografie dreht. Als Kind war mir mein sogenannter Migrationshintergrund gar nicht bewusst. Diese Erkenntnis kam erst in der Grundschule. Ich musste mich ständig erklären – viel mehr als andere Gleichaltrige. Das hat mich wahnsinnig genervt. Irgendwann hatte ich mein gesamtes Umfeld soweit, dass diese Fragen nicht mehr unreflektiert gestellt wurden. Mit 12 Jahren dachte ich „Yeah, ganz Deutschland wird mit mir erwachsen“. Erst später habe ich realisiert, dass sich die Situation im Wesentlichen für mich verändert hatte. Dass Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund auf ewig markiert und ausgeschlossen werden, gab und gibt es weiterhin. Diesen Schmerz möchte ich ihnen ersparen.

Über Özlem Topuz
Özlem Topuz leitet das Projekt „alltäglich gemeinsam“ für die Alte Feuerwache e. V.. Mit der Jugendbildungsstätte Kaubstraße koordiniert und organisiert sie im Rahmen von „Empowered by Democracy“ das Begegnungsformat „Come as you are“. Es bietet jungen Menschen mit und ohne Fluchtgeschichte eine Plattform, um sich in ihren Unterschiedlichkeiten zu begegnen und ihre Gemeinsamkeiten auf vielfältigen Wegen zu erfahren. Dabei gibt es einen kreativen, sehr individuellen Teil, in dem die Jugendlichen etwas selbst produzieren und einen körperlich aktiveren Teil, der die Jugendlichen als Gruppe mit viel Spaß zusammenbringt.

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„3 Fragen an …“ Ali Rezaie https://empowered-by-democracy.de/2019/03/12/3-fragen-an-ali-rezaie/ Tue, 12 Mar 2019 11:31:04 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=1941 „„3 Fragen an …“ Ali Rezaie“ weiterlesen

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Warum sind Debatten um Geschlechterrollen wichtig? Wie fühlt es sich an,  wenn alles neu ist? Welche Rolle spielen Vorurteile? Ali Rezaie hat mit uns einen Blick auf Geschlechterrollen und -identitäten geworfen. Ein Gespräch über die Suche nach einer Perspektive, gegensätzliche Alltagswelten und was sich bei Geschlechterrollen ändern muss.

Debatten um Geschlechterrollen und -identitäten kommen in vielen Seminaren von „Empowered by Democracy“ vor. Warum ist das Thema wichtig?
Weil es viele Vorurteile gibt. Zum Beispiel lassen sich einige geflüchtete Paare scheiden, wenn sie eine Zeit lang in Deutschland sind. Man könnte denken, dass die Frauen in ihren Beziehungen in Afghanistan unterdrückt wurden und jetzt erkennen, dass sie andere Rechte und Möglichkeiten haben. Aber die Menschen sehen die tausend Probleme nicht, die diese Paare belasten. Vielen fehlt die Perspektive. Sie wissen nicht, ob sie in Deutschland bleiben können. Sie sprechen die Sprache nicht, dürfen aber gleichzeitig keinen Sprachkurs machen. Sie suchen eine Arbeit, aber können keine annehmen. Im Camp sind sie von morgens bis abends mit anderen Menschen zusammen. Es gibt keinen Raum für Privatsphäre oder um intim zu werden. Das beeinflusst ihre Beziehungen. Die Situation ist zu komplex, um sie auf ein einziges Problem zu reduzieren.


Du engagierst dich im Projekt „Empowered by Democracy“. Inwiefern hat das Projekt dich selbst verändert? Hast du durch das Projekt einen neuen Blickwinkel auf das Thema Geschlechterrollen und -identitäten bekommen?
Durch „Empowered by Democracy“ habe ich sehr viel über die deutsche Kultur gelernt und die Unterschiede zu Afghanistan. Auch auf das Thema Familie hat mir das Projekt einen neuen Blickwinkel eröffnet. Kinder, die hier zur Schule gehen, leben in zwei Welten. Wenn sie morgens zur Schule gehen, sind sie in Deutschland. Nachmittags kommen sie zurück nach Afghanistan. Sie sprechen eine andere Sprache. Sie lernen andere Werte. Ich finde es wichtig, aus beiden Kulturen das Positive mitzunehmen. Aber ich habe nicht unbedingt einen neuen Blick auf Geschlechterrollen und -identitäten bekommen. Es gibt Menschen, die nach Deutschland kommen und für die hier alles neu ist. Sie hatten vorher kaum Kontakt zu Frauen und sehen dann, wie die Mädchen sich hier anziehen. Dann denken sie, wer sich so kleidet, kann kein guter Mensch sein. Aber das ist zu kurz gegriffen. Wenn man sich kennenlernt, klären sich viele Probleme.


In Deutschland verdienen Frauen teilweise weniger als Männer, obwohl sie den gleichen Job machen. Wie erlebst du es im Alltag: Haben Mädchen und Frauen die gleichen Chancen und Freiheiten wie Jungen und Männer?
Nicht nur in Afghanistan waren Männer lange Zeit dominanter und Frauen mussten sich unterordnen. Auch in Deutschland hat sich in den letzten 50 Jahren viel entwickelt. Frauen wollen vorankommen und kämpfen für ihre Rechte. Sie wollen Gleichberechtigung. Ich denke, dass sich das auch in Afghanistan so entwickeln wird. Aber dafür brauchen wir auch die Unterstützung aus anderen Ländern. Ich studiere Maschinen- und Verkehrswesen. In meinem Fachgebiet sind Frauen in der Minderheit. Das liegt vermutlich daran, dass Frauen weniger Interesse daran haben und in anderen Fächern stärker vertreten sind. Ja, es gibt Frauen, die hier schlechter bezahlt sind als Männer. Aber ich bin optimistisch, dass sich das noch ändern wird. Die Frauen müssen für ihre Rechte kämpfen, aber sie brauchen auch die Unterstützung der Männer.


Über Ali Rezaie
Ali Rezaie ist Ende 2015 mit seiner Familie aus Masar-e Sharif in Afghanistan nach Deutschland gekommen. Er hat einen Abschluss in Bauingenieurwesen und studiert jetzt Maschinen- und Verkehrswesen an der Technischen Universität Berlin. Über sein Stipendium hat Ali Kontakt zu „Empowered by Democracy“ gefunden. Seit April 2018 ist er Teil des Projekts. Sein erster Workshop hieß „Als Familie ankommen“.

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„3 Fragen an …“ Ahmad Alkridi https://empowered-by-democracy.de/2019/01/24/3-fragen-an-ahmad-alkridi/ Thu, 24 Jan 2019 13:17:28 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=1722 „„3 Fragen an …“ Ahmad Alkridi“ weiterlesen

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Foto: Esteve Franquesa

Welche Werte sind den Menschen in Deutschland wichtig? Darüber haben wir mit Ahmad Alkridi gesprochen. Vor vier Jahren kam er aus Syrien nach Deutschland. Ein Gespräch über ungewohnte Lebensformen, den Wert der Gerechtigkeit und warum ein respektivolles Miteinander wichtig ist.

Welche Werte erlebst du in Deutschland als besonders wichtig? Was bedeuten diese Werte für dich?
Gleichheit und Gerechtigkeit spüre ich in Deutschland ganz stark. Hier sind alle gleich vor dem Staat und dem Gesetz. Wenn jemand gegen das Gesetz verstößt, kommt er vor Gericht. Unabhängig davon, ob die Person Atheist, Muslim oder Christ ist. Die Religion oder auch das Geschlecht spielen dafür keine Rolle. Dass alle vor dem Gesetz gleich sind, finde ich sehr angenehm. Das kenne ich aus Syrien nicht. In Syrien entscheidet häufig der Stärkste darüber, was gerecht ist. Dort wird die persönliche Würde von Menschen oft ohne Grund verletzt. Wenn jemand für etwas bestraft wird, passiert das häufig willkürlich. In Deutschland erlebe ich, dass die Werte Gleichheit und Gerechtigkeit für jeden gelten. Das bedeutet extrem viel Freiheit für den Einzelnen.

Für „Empowered by Democracy“ leitest du auch Seminare. Welche Werte möchtest du dort den Teilnehmenden vermitteln?
Es geht darum, andere Menschen mit ihren Werten zu respektieren und selbst Respekt zu erfahren. Ich finde, dass Religion zum Beispiel etwas sehr Persönliches ist. Du trägst ein Kopftuch? Dann ist das deine persönliche Sache. Für mich ist Toleranz der wichtigste Wert. Toleranz funktioniert unabhängig davon, welche Identität und welche Religion jemand hat. Für Syrien würde ich diese Frage anders beantworten. Dort würde ich mir mehr Gleichheit und Gerechtigkeit wünschen. Manchmal vermisse ich die Gerechtigkeit aber auch hier. In den Medien wird teilweise sehr allgemein über Geflüchtete diskutiert. Nur weil eine Person einen Fehler macht, ist das kein Grund, andere Menschen ebenfalls zu verurteilen. Die Herkunft sollte darüber nicht entscheiden. Damit sind wir wieder beim Thema Gleichheit und Gerechtigkeit und dass diese Werte für alle gelten sollten.

Was ist für dich wichtig, wenn man mit einer sehr gemischten Gruppe über das Thema Werte sprechen möchte?
Einander Mut zuzusprechen, um so zu leben, wie man möchte, finde ich ganz wichtig. Dass es in Deutschland lesbische und schwule Menschen gibt, ist für viele Muslime zum Beispiel erst einmal ungewohnt. Aber mit Toleranz und Respekt lernen wir, damit umzugehen. Dazu brauchen wir Zeit und die passenden Lernorte. In Seminaren können wir uns mit diesen Lebensformen auseinanderzusetzen und uns daran gewöhnen. In Gruppen versuche ich zunächst, den Hintergrund der Teilnehmenden kennenzulernen. Woher kommen sie? Wie sind sie aufgewachsen? Auf dieser Grundlage können wir dann über Werte sprechen. Wir sind alle Menschen. Tolerant zu sein und einander zu respektieren, macht das Zusammenleben einfacher. Toleranz hilft, Angst und Vorurteile abzubauen. Aber dafür müssen wir uns zunächst kennenlernen.

Über Ahmad Alkridi
Ahmad Alkridi studiert in Berlin Informatik. Vor vier Jahren ist er aus Aleppo in Syrien nach Deutschland gekommen. Ein Freund hat ihm von „Empowered by Democracy“ erzählt und ihn zu einem ersten Treffen mitgenommen. Damals ging es um das Thema „Identität“. Inzwischen leitet Ahmad Alkridi selbst Seminare. In seinem letzten Seminar ging es um deutsche und syrische Geschichte sowie um internationale Politik.

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„3 Fragen an …“ Christiane Toyka-Seid https://empowered-by-democracy.de/2018/11/19/3-fragen-an-christiane-toyka-seid/ Mon, 19 Nov 2018 13:18:00 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=1724 „„3 Fragen an …“ Christiane Toyka-Seid“ weiterlesen

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Welche Themen und Methoden haben sich in der politischen Bildungsarbeit mit jungen Geflüchteten bewährt? Welche Herausforderungen gab es und wie haben die Bilder*innen sie gelöst? Christiane Toyka-Seid hat die bisherigen Erfahrungen in der politischen Bildungsarbeit mit jungen Geflüchteten einer Analyse zusammengefasst. Was sind ihre wichtigsten Erkenntnisse?

Welche Erfahrungen haben die politischen Bildner*innen mit der Zielgruppe „junge Geflüchtete“ bislang gesammelt?
Die Bildungsangebote haben neben der Unterstützung beim Zurechtkommen im neuen Land viele politische und gesellschaftliche Themen behandelt: Wie gestaltet sich das gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland? Was bedeutet die europäische Einigung? Wie funktioniert unser politisches System? Die Analyse hat uns aber auch die Herausforderungen aufgezeigt. Die Bilder*innen müssen eine große Sensibilität für die Biografien der Teilnehmenden und ihre häufig ungeklärte rechtliche Situation mitbringen. Darüber hinaus war die sprachliche Verständigung teilweise schwierig. Dass Bildungsarbeit für junge Menschen mit Fluchthintergrund geschlechtersensibel gestaltet sein muss, haben viele der befragten Akteur*innen hervorgehoben. Neben besonderer Achtsamkeit ist ein Verständnis für die interkulturellen Zusammenhänge unabdingbar.

Mit welchen Erwartungen kamen die Teilnehmenden zu den Veranstaltungen?
Es ist häufig nicht so leicht festzustellen, wofür die Jugendlichen sich tatsächlich interessieren. Oftmals kamen sie nicht wegen des Themas einer Veranstaltung, sondern weil sie von Dritten darauf aufmerksam gemacht wurden. Die Veranstaltung stellte dann eine willkommene Abwechslung im oft kaum erträglichen Wartestand dar. Die Inhalte einer Veranstaltung haben sich häufig bei Begegnungen und in Gesprächen entwickelt – oder auch im kreativen Miteinander. Auf großes Interesse bei den Teilnehmenden stießen Beratungsangebote zu Fragen des Asyl- und Aufenthaltsrechts. Darüber hinaus ging es aber schon bald um die Frage, was es bedeutet, jemanden bei der Integration in ein neues Land zu unterstützen und was die konkreten Aufgaben für die Mitgliedsorganisationen der GEMINI dabei sind.

Wo sehen Sie im Moment die größte Herausforderung für die politische Bildungsarbeit mit jungen Geflüchteten? Was kann die Lösung sein?
Ich denke, dass es viele Herausforderungen gibt – von Integrationsperspektiven, Familienzusammenführung bis hin zu Sprachkompetenz und Arbeitsperspektiven für diejenigen, die Bleiberechte haben. Wichtig und ausschlaggebend für die Methoden der politischen Bildungsarbeit ist immer das Thema Partizipation. Deutlich gemacht haben viele politische Bildner*innen, mit denen ich gesprochen habe, dass wir weiterhin zielgruppengerechte methodische Ansätze entwickeln und erproben müssen. Eine große Rolle spielen nach den bisherigen Erfahrungen künstlerische, natur- und erlebnispädagogische sowie musikalische, non-verbale Formate. Dabei ist es wichtig, den Erfahrungsaustausch und die Vernetzung zwischen den Akteur*innen der politischen Bildung weiter zu verbessern und zu verstetigen. Auch die Zusammenarbeit mit Schulen, Sprachlernklassen und Sozialpädagog*innen sollten wir ausbauen und Kooperationen mit neuen Partnern erproben und vertiefen.

Hier geht es zu den Ergebnissen der Analyse „Außerschulische politische Bildung mit jungen Geflüchteten. Erfahrungen. Themen Bedarfe.“ .

Über Christiane Toyka-Seid
Christiane Toyka-Seid, politische Bildnerin, leitet die Agentur CTS text-line für Kommunikation in Wissenschaft und Praxis in Königswinter bei Bonn. Sie studierte Geschichte, Politik und Katholische Theologie. Seit vielen Jahren ist sie als Autorin, Redakteurin und Gutachterin im Bereich Politik und Geschichte tätig. Für „Empowered by Democracy“ hat sie die Erfahrungen der Mitgliedsorganisationen der GEMINI bei der Bildungsarbeit mit jungen Geflüchteten in der Analyse „Außerschulische politische Bildung mit jungen Geflüchteten. Erfahrungen. Themen. Bedarfe“ untersucht.

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