Austausch – Empowered by Democracy https://empowered-by-democracy.de Stärken. Bilden. Vernetzen. Mon, 16 Dec 2019 09:10:54 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.4.2 Video: Jugendliche aktiv gegen Vorurteile https://empowered-by-democracy.de/2019/12/16/ich-bin-wie-ich-bin-oder-doch-ganz-anders-2-2-2/ Mon, 16 Dec 2019 09:10:53 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=2470 „Video: Jugendliche aktiv gegen Vorurteile“ weiterlesen

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Datum: April 2017 bis September 2019
Ort: Nürnberg

Der 25-minütige Film dokumentiert die zweieinhalbjährige Zusammenarbeit einer Nürnberger Jugendgruppe im Rahmen von „Empowerd by Democracy“. Unter dem Motto „Jugendliche aktiv gegen Vorurteile“ entwickelten sie unter anderem Graffiti und ein Theaterstück. Im Film sprechen alle Beteiligten über das, was sie für sich gelernt haben und an andere weitergeben wollen: Zum Beispiel, dass man andere Menschen kennenlernen sollte, bevor man über sie urteilt und dass alle Menschen gleichwertig sind.

Veranstalter: Evangelische Jugend Nürnberg

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Schülerinnen und Schüler erzählen Thüringer Fluchtgeschichten https://empowered-by-democracy.de/2019/12/02/ich-bin-wie-ich-bin-oder-doch-ganz-anders-2-2/ Mon, 02 Dec 2019 13:29:46 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=2449 „Schülerinnen und Schüler erzählen Thüringer Fluchtgeschichten“ weiterlesen

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Datum: 8. November 2019
Ort: Eisenach

„Niemand verlässt freiwillig seine Heimat!“ Der Satz steht in Großbuchstaben auf der Leinwand in der Turnhalle der Oststadtschule Eisenach, in der am 8. November alle Klassen zum Schulforum versammelt sind. Die 10. Klasse stellt ihr Projekt „Thüringer Fluchtgeschichten“ vor, in dem sie sich mit aktuellen und historischen Berichten zur Flucht aus und nach Thüringen beschäftigt hat. Ihre Ergebnisse präsentieren die Schülerinnen und Schüler in Form von Handy-Kurzfilmen und Bildertheater.

Am 01. Oktober begann das Projekt mit einem Projekttag in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg. Hier hörten die Jugendlichen von Zeitzeugen und Experten, wie Flucht Lebensgeschichten prägt und die Gesellschaft verändert. Dabei erzählten sie auch ihre eigenen Erlebnisse oder Flucht- und Migrationsgeschichten ihrer Familien.

Diese Erfahrungen wurden anschließend kreativ bearbeitet und Fluchtgeschichten von den Jugendlichen neu erzählt. Im ersten Workshop entstanden drei Kurzfilme: In einem werden Fluchtursachen erklärt. Der zweite zeigt ein fiktives Interview mit einem jungen Mann, der vor dem Krieg aus Syrien fliehen musste. Der dritte Film stellt ein Gespräch zwischen drei Mädchen dar in dem deutlich wird, dass Migration zur Lebensrealität vieler Menschen gehört.

Im zweiten Workshop „Bildertheater“ erzählten die Schülerinnen und Schüler in vier Standbildern die fiktive Geschichte einer jungen Frau, die gemeinsam mit drei Freundinnen vor der allgegenwärtigen Überwachung und Einengung aus der DDR flieht. Sie schafft es, aber ihre beiden Begleiterinnen werden an der Grenze erschossen bzw. verhaftet. In einem weiteren Standbild mit dem Titel „Neuland“ zeigen vier Schüler, dass das Ende einer Flucht ganz unterschiedlich aussehen kann. Am Ziel sind einige traumatisiert, manche quält Heimweh und sie bereuen ihren Schritt und wieder andere starten voller Tatendrang in ein neues Leben.

Foto: Tina Schweizer

Flucht ist allgegenwärtig und hat die Gesellschaft immer schon geprägt. Wichtig ist, hinzuhören und Erlebnisse wahr- und ernst zu nehmen. Denn niemand verlässt freiwillig seine Heimat.

Die „Thüringer Fluchtgeschichten“ waren ein gemeinsames Projekt der Evangelischen Akademie Thüringen, der Jugendbildungsstätte Junker Jörg und der Oststadtschule Eisenach im Rahmen von Empowered by Democracy.

Veranstalter: Evangelische Akademie Thüringen

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Geschichte wiederholt sich https://empowered-by-democracy.de/2019/10/17/ich-bin-wie-ich-bin-oder-doch-ganz-anders-2/ Thu, 17 Oct 2019 10:23:27 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=2398 „Geschichte wiederholt sich“ weiterlesen

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Datum: 01. Oktober 2019
Ort: Eisenach

Flucht prägt viele Menschen und Familien in Thüringen. Am Dienstag, dem 1. Oktober beschäftigten sich Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse der Oststadtschule Eisenach in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg mit Fluchtgeschichten aus und nach Thüringen. „Ich bin total gespannt auf die Menschen und ihre Geschichten“, sagte Rahel, bevor es losging.

In einem World Café wurden im Projekt „Thüringer Fluchtgeschichten“ an vier Tischen ganz unterschiedliche Erzählungen gehört und viele Fragen gestellt. Adam Alazawe aus Erfurt berichtete von seinem Weg aus Syrien nach Deutschland und kam mit den Jugendlichen über heutige Fluchtgeschichten ins Gespräch. Berthold Dücker aus Geisa erzählte von seiner Flucht 1964 aus Thüringen nach Hessen. Als 16-Jähriger überwand er alleine die Grenze in den Westen, weil er die fehlenden Freiheiten und das Unrecht in der DDR nicht aushielt. Dr. Annika Schreiter brachte zwei Fluchtgeschichten aus Pommern nach Thüringen zur Zeit des 2. Weltkriegs mit. Michael Weise vom Lutherhaus Eisenach berichtete von Martin Luthers unfreiwilliger Flucht auf die Wartburg und seinem Exil unter dem Decknamen Junker Jörg. „Eine Flucht, die sich von den anderen Geschichten unterscheidet“, meint Weise. „Luther konnte nämlich irgendwann in sein altes Leben zurückkehren.“ Die Jugendlichen selbst haben zum Teil Flucht erlebt oder haben Freunde, Klassenkamerad*innen oder Familienmitglieder, die fliehen mussten. So konnte fast jeder und jede in dem World Café eine Fluchtgeschichte erzählen.

Jede Geschichte ist einzigartig, ebenso wie die Menschen, die sie erleben und durchleiden. Dennoch gibt es immer wiederkehrende Elemente: Die Hoffnung auf ein besseres Leben, die Entbehrungen und die Angst unterwegs und dann, am Ziel der Träume, oft Enttäuschung. Denn dieses Ziel sieht meist ganz anders aus als erhofft und Geflüchtete erfuhren zu allen Zeiten und an allen Orten Ablehnung und Feindseligkeit. „Geschichte wiederholt sich und ich frage mich oft, warum wir nicht endlich klüger werden“, sagt Berthold Dücker zum Abschluss. „Kein Mensch auf der Welt ist illegal und meine Geschichte ist nicht anders als die von denen, die heute aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea flüchten.“

Die Jugendlichen verarbeiten ihre Erkenntnisse und die erfahrenen Geschichten im weiteren Verlauf des Projekts in Kurzfilmen und als Bildertheater. Am 8. November werden die neu erzählten Fluchtgeschichten zum Abschluss des Projekts in der Oststadtschule vorgestellt.

Veranstalter: Evangelische Akademie Thüringen

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Ich bin wie ich bin! Oder doch ganz anders? https://empowered-by-democracy.de/2019/10/01/ich-bin-wie-ich-bin-oder-doch-ganz-anders/ Tue, 01 Oct 2019 09:51:42 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=2349 „Ich bin wie ich bin! Oder doch ganz anders?“ weiterlesen

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Datum: 06.-08. September 2019
Ort: Zingst

Sobald wir auf die Welt kommen, erhalten wir einen Namen, der uns als Mädchen oder Junge kennzeichnet und zumeist ein Leben lang begleitet. In unserer Gesellschaft unterscheiden wir zumeist zwischen „männlich“ und „weiblich“. Aber reicht das? Schränken uns solche Kategorien in unserer Entwicklung ein oder grenzen wir damit andere Menschen gar aus?

Beim „Entrollen“ der Genderbilder in unseren Köpfen fragte unsere Referentin nach unseren eigenen Namensgeschichten und danach, welche Bilder, Gedanken oder Assoziationen uns einfallen, wenn wir uns einen kleinen Jungen, ein kleines Mädchen, eine erwachsene Frau oder einen Mann vorstellen. Da kamen sehr klassische, aber auch überraschende Bilder zum Vorschein, die unser Zusammenleben ausmachen.

Die Kinder stellten fest, dass die „richtig blöde dreckige“ Arbeit im Haushalt oft von den Frauen gemacht wird. Bei einigen Aufgaben in der Familie, wie der Gartenarbeit, bemerkten sie, dass alle daran beteiligt werden, sie zu erledigen.

Wir erzählten uns unsere Geschichten, wie sich unsere Bilder von Frauen und Männern entwickelten: Es gab Mädchen, die gern Fußball spielten oder auf Bäume kletterten und deren Väter es später untersagten. Sätze wie „Das macht ein Mädchen nicht.“ „Spiel mit anderen Mädchen und halte dich von den Jungen fern.“ oder „Ein Mädchen räumt ihr Zimmer schön auf.“ begleiteten einige Frauen. Das erste eigene Fahrrad war zum Beispiel ein besonderer Moment im Leben eines kleinen Jungen wie auch das gemeinsame Fußballspiel mit dem Vater.

Wir gingen einen Schritt weiter und überlegten, was wir an unsere eigenen Kinder weiter geben und inwiefern sie von unseren Vorstellungen vom Frau- oder Mann-Sein geprägt werden. Das waren intensive Reflexionen. Vom Ermutigen war die Rede, Neues und Unbekanntes auszuprobieren, frei in der Entwicklung der Persönlichkeit zu sein.

Es wurde sehr lebendig: Mädchen und Jungen, Frauen und Männer kletterten mutig bis zu neun Meter hoch auf einen Baum. Zudem probierten wir uns alle im Tanztheater aus: Wir tanzten beispielsweise wild oder still, zu zweit oder allein. Kategorien wie männlich, weiblich oder divers rückten in den Hintergrund.

Bei einer anschließenden Werteauktion kamen Beobachtungen hinzu, die unsere Bilder von Geschlechtern (nicht) bestätigten: ein junges deutsches Mädchen ersteigert z. B. Werte wie „Politische Macht“ und „Intelligenz“, ein junger Familienvater aus Honduras erwirbt die „Finanzielle Sicherheit“ und eine Frau mittleren Alters aus Russland kauft „Die Persönliche Freiheit“ und „Das perfekte Familienleben“. Was hat das mit unserem realen Leben zu tun und was sagt das über uns aus? – Diese Diskussionen waren sehr spannend.

Eine Veranstaltung der Evangelischen Akademie der Nordkirche mit ihren Regionalzentren für demokratische Kultur und dem Jugendmigrationsdienst Stralsund

Veranstalter: Evangelische Akademie der Nordkirche

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Morgen sind WIR Geschichte! https://empowered-by-democracy.de/2019/07/18/we-are-family-2/ Thu, 18 Jul 2019 12:57:54 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=2226 „Morgen sind WIR Geschichte!“ weiterlesen

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Datum: 06.-10. Juni 2019
Ort: Altenkirchen

„Let’s be human“ – eine klare Ansage von neun jungen Erwachsenen mit und ohne Fluchterfahrung an alle instagram-Nutzer. Aber wie soll diese Botschaft vermittelt werden? Wie erreicht sie die Menschen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des fünftägigen Seminars „Morgen sind WIR Geschichte! Online-Ausstellung über die Fluchtbewegung gestalten“ in der Ev. Landjugendakademie in Altenkirchen.

Es ging um die Frage, was wir seit Angela Merkels berühmtem „Wir schaffen das!“ tatsächlich geschafft haben. Und was werden wir noch demnächst noch schaffen? Welches Bild wird von den „Jahren der Migrationsbewegung“ bleiben? Das liegt auch an uns, denn Geschichte wird von Menschen geschrieben, so die gemeinsame Grundannahme. Also startete die Gruppe den Versuch, ihren Blick auf die aktuellste Zeitgeschichte darzustellen.

An den ersten Seminaren schauten sich die Teilnehmer*innen an, wie Geschichtsschreibung und -vermittlung funktionieren. In Gesprächen mit einem Archivar und einer Zeitzeugin, die von ihrer Verfolgung und Inhaftierung in der DDR berichtete, erfuhren die Teilnehmer*innen viel über deutsche Zeitgeschichte, Quellen und Überlieferung. Auch der Besuch im Haus der Geschichte in Bonn bot Anregungen dafür, wie die Teilnehmer*innen ihre Geschichte vermitteln können.

Über die Entwicklung der eigenen online-Ausstellung wurde eifrig diskutiert: Über den Titel, die Gliederung, das Logo, das Design, die Farbgebung usw., vor allem aber darüber, welches Bild die Ausstellung von der Flucht und dem Ankommen in Deutschland zeichnen soll. Welche Informationen wollen wir vermitteln? Welche Schwierigkeiten wollen wir ansprechen? Welche Erfolge hervorheben? Und wie können wir unseren Vorstellungen Ausdruck verleihen? Es entstanden Fotos, Memes, Karikaturen, Info-Texte und ein durchdachtes und ansprechendes Gesamtkonzept. Sehen Sie selbst: https://instagram.com/lets.be_human?igshid=16bhz5eazjlhl

Veranstalter: Evangelische Landjugendakademie Altenkirchen

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Feste Netze und neue Bande – 4. Vernetzungstreffen im Projekt „Empowered by Democracy“ https://empowered-by-democracy.de/2019/07/17/im-kontakt-sein-in-schule-ausbildung-und-oeffentlichkeit-2/ Wed, 17 Jul 2019 12:19:49 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=2190 „Feste Netze und neue Bande – 4. Vernetzungstreffen im Projekt „Empowered by Democracy““ weiterlesen

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Datum: 16.-17. Mai 2019
Ort: Fulda

Um bestehende Bande zu festigen und neue Netzwerke zu knüpfen, den bisherigen Fang in den Netzen zu begutachten und Ausschau nach neuen Anknüpfungspunkten zu halten kamen rund 25 Multiplikator*innen der politischen Jugendbildung zum Vernetzungstreffen vom 16. bis 17. Mai im Bonifatiushaus in Fulda zusammen.

Austausch in Gruppen

Das Projekt „Empowered by Democracy“ befindet sich im Endspurt in seinem letzten Jahr. Obwohl noch in voller Fahrt, nutzten wir die Gelegenheit, einen Blick zurück zu werden. Wir sahen, dass wir einiges und einige erreicht hatten: junge Leute, die neu in Deutschland angekommen sind, tauschten sich im Projekt mit Gleichaltrigen über Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens aus.

Doch wie soll es nun weitergehen? Wir sammelten Ideen und Strategien, was in den einzelnen Bildungseinrichtungen getan werden kann, damit das Projekt weiter wirkt, im nächsten Jahr und darüber hinaus. Da viele kreative Köpfe mit handfesten Erfahrungen aus der Praxis ihre Gedanken einbrachten, konnten so manche Pläne geschmiedet werden. Die Fülle dieser Eingebungen, Meinungen und Diskussionen hielt die Grafikerin Janina Röhrig in einem Schaubild für uns fest.

Graphic Recording von Janina Röhrig

Als spannende Herausforderung freuen wir uns auf die Abschlussveranstaltung Ende September in Berlin. Damit diese eine gelungene Erfahrung sowohl für alle Teilnehmenden wird, strickten wir gemeinsam an den feineren Mustern dieses Events.

Planung der Abschlussveranstaltung

Um das Beisammensein in der malerischen Fuldaaue optimal zu nutzen, hatten wir uns zwei Referenten eingeladen, die mit uns einen Blick auf die vielfältigen Strukturen in den Einrichtungen der politischen Jugendbildung warfen. Dr. Andrés Nader, Geschäftsführer der RAA Berlin und Roland Wylezol, Leiter der Jugendbildungsstätte Kaubstraße Berlin, legten mit ihren Inputs anregende Vorlagen für eine rege Diskussion und den weiteren Austausch.

Dr. Andrés Nader, RAA Berlin

Mehr Diversität zu erreichen, stellt innerhalb einer Organisation stets einen langfristigen und komplexen Prozess dar, so Nader. An dessen Anfang steht zunächst eine eigene diskriminierungskritische Analyse. Folgen dieser jedoch konkrete Entscheidungen und Taten und steht die Leitungsebene überzeugt hinter den Ideen, können im Idealfall positive Effekte realisiert werden.

Die Umsetzung von Diversität in den eigenen Reihen stellt einen langen, von Improvisation geprägten Weg dar, bestätigt auch Wylezol. Er befürwortet selbst ein diverses Team in den Reihen der und stellte fest, dass sich seine diversitätsbejahrende Einstellung nach außen hin verbreitet.

Roland Wylezol, Jugendbildungsstätte Kaubstraße

Diese und weitere wertvolle Gedankenanstöße packten wir ein in ein großes Netz von Impulsen, Bildern und Begegnungen, die wir mit nach Hause in unsere Einrichtungen nahmen. Wir bleiben dran und arbeiten weiter für ein offenes Miteinander und demokratische Werte und freuen uns auf ein Wiedersehen zum Abschluss in Berlin.

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Vielfalt jetzt! https://empowered-by-democracy.de/2019/07/16/vielfalt-jetzt/ Tue, 16 Jul 2019 06:57:22 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=2231 „Vielfalt jetzt!“ weiterlesen

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Datum: 06.-07. Mai 2019
Ort: Eisenach

„Politische Bildung in der Migrationsgesellschaft heißt für mich…“ Mit der Aufgabe, diesen Satz zu vervollständigen, begann der Workshop „Vielfalt jetzt! Politische Bildung in der Migrationsgesellschaft“ am 06. Mai in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg Eisenach. Die persönlichen Antworten der 26 Teilnehmenden waren so vielfältig wie ihre Arbeitsbereiche. Sie kamen aus der Stadtverwaltung und von den Pfadfinder*innen, aus Schulprojekten und der Arbeit mit Geflüchteten, aus Bildungswerken und vom freien Radio. Dennoch gab es viele Gemeinsamkeiten: Gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, respektvollen Umgang stärken, alltagsrelevant sein, alle ansprechen, egal, seit wann sie in Deutschland leben, waren wiederkehrende Elemente der Definitionen politischer Bildung.

Im Anschluss wurde gemeinsam in drei Zukunftswerkstätten an konkreten Projekt- und Kooperationsideen gearbeitet. Dabei entstand ein Konzept zur Medienkompetenzbildung mit jungen Menschen mit Fluchthintergrund, ein Entwurf für ein Streit-Camp, in dem eine konstruktive Streitkultur geübt werden soll, und ein Netzwerkprojekt zur gesellschaftlichen Teilhabe für Men of Color in Erfurt. Am Ende stand die Freude über neue Kontakte in der Region und das Erstaunen darüber, in gerade einmal 24 Stunden aus den vielen unterschiedlichen Ideen und Perspektiven drei konkrete Projekte entwickelt zu haben.

Kreativ und bunt wurde an gemeinsamen Projektideen gearbeitet. Foto: © Ev. Akademie Thüringen

Der Workshop wurde gemeinsam mit dem Eine Welt Netzwerk Thüringen e.V. organisiert.

Veranstalter: Evangelische Akademie Thüringen

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Jugendakademie “we are family” https://empowered-by-democracy.de/2019/06/05/we-are-family/ Wed, 05 Jun 2019 06:43:26 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=2178 „Jugendakademie “we are family”“ weiterlesen

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Datum: 15.-17. April 2019
Ort: Sassen

„Familie bleibt für immer und ewig. Ein Leben ohne sie? Nein, das geht nicht.“ Das sind zwei Liedzeilen aus dem Song, die Teilnehmende der Jugendakademie getextet, gerappt und aufgenommen haben. Sie machen deutlich, dass Familie etwas ist, was jeden Menschen betrifft und ein Leben lang eine Rolle spielt.

Wie verschieden Familien sind, was dort gelernt wird, wie hier miteinander umgegangen wird, das war Gegenstand in unserer Veranstaltung, an der geflüchtete und nicht-geflüchtete Jugendliche teilgenommen haben. Wir fragten danach, welche Familienbilder in den Köpfen sind, welche Zukunftsvorstellungen von der eigenen Familie existieren, welche Werte die Familie prägen und wie das Miteinander leben gestaltet wird.

EA Nordkirche

Collagen wurden geklebt und kleine Alltags-Familien-Szenen dargestellt. Wir haben miteinander Zeit verbracht: gespielt, gesungen, gekocht und gegessen, gezeichnet, gefilmt und viel diskutiert und geredet.

EA Nordkirche

Es ist nicht immer leicht, miteinander zu leben und gemeinsame Regeln müssen immer wieder ausgehandelt werden. So wurde es besonders spannend, als wir darüber ins Gespräch  kamen, wie das Grundrecht „Persönliche Freiheit“ auch eingeschränkt wird, wenn es darum geht, dass die Familie bestimmt, wohin die Reise im nächsten Urlaub gemacht wird oder welche Religion der Freund oder die Freundin haben darf.

Dennoch im Refrain heißt es :

„Familie, Freunde, Zukunft gestalten
Gemeinsam kann uns nichts aufhalten
Ist das Leben auch manchmal hart
Alleine schwach doch zusammen stark“

LINK zu unserem Musikvideo:

https://www.youtube.com/watch?v=OecoJEm1ibs

Eine Veranstaltung der Evangelischen Akademie der Nordkirche mit ihren Regionalzentren für demokratische Kultur und den Jugendmigrationsdiensten Stralsund und Greifswald sowie dem Landesjugendpfarramt der Nordkirche und dem Jugendpfarramt des Pommerschen Kirchenkreises.

EA Nordkirche

Veranstalter: Evangelische Akademie der Nordkirche

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Im Kontakt sein… in Schule, Ausbildung und Öffentlichkeit https://empowered-by-democracy.de/2019/05/02/im-kontakt-sein-in-schule-ausbildung-und-oeffentlichkeit/ Thu, 02 May 2019 12:47:54 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=2126 „Im Kontakt sein… in Schule, Ausbildung und Öffentlichkeit“ weiterlesen

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Datum: 25.-27. Januar 2019
Ort: Rehburg-Loccum

Knapp 50 Personen kamen für drei Tage an der Ev. Akademie Loccum zusammen, um über eine grundlegende Kompetenz für Demokratie und Gesellschaft zu sprechen, zu diskutieren und sie selbst zu erproben: Gute Kommunikation.

In einem interkulturellen und einem Theaterworkshop, in Gesprächen mit Lehrkräften, betrieblichen Ausbildern und jungen geflüchteten Peers kamen die Teilnehmenden, junge Geflüchtete und in Deutschland aufgewachsene junge Leute mit Migrationshintergrund, miteinander in Kontakt.

http://miso-netzwerk.de/misoaktuell/

Wie können wir unsere Anliegen gut vorbringen? Woher kommt der Mut, sich zu Wort zu melden? Welche Möglichkeiten dazu habe ich in der Schule, im Betrieb und in der Öffentlichkeit? Darüber wurde unter den Teilnehmenden, jungen Geflüchteten aus Afghanistan, dem Irak, Syrien, Algerien, Mexiko, der Ukraine und dem Sudan sowie in Deutschland aufgewachsenen Jesidinnen und Jesiden angeregt diskutiert.

Veranstalter: Ev. Akademie Loccum zusammen mit den MigrantInnenSelbstOrganisationen (MiSO) in Hannover

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Brief an einen unbekannten Freund https://empowered-by-democracy.de/2019/04/26/making-heimat-goes-europe-2/ Fri, 26 Apr 2019 08:00:48 +0000 https://empowered-by-democracy.de/?p=2102 „Brief an einen unbekannten Freund“ weiterlesen

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Datum: 2017/2018
Ort: Bremen

Im Schuljahr 2017/2018 fand wöchentlich das Seminar “Let’s talk about our interests” mit geflüchteten Jugendlichen statt, welches ARBEIT UND LEBEN Bremen in Kooperation mit dem Technischen Bildungszentrum und dem Jugendhaus am Hulsberg des Bundes deutscher Pfadfinder durchgeführt hat. Der nachfolgende “Brief an einen unbekannten Freund” ist im Laufe der gemeinsamen Sitzungen entstanden.

Hallo mein Freund!

Wir kennen uns noch nicht, aber wenn Du diesen Brief gelesen hast, wirst Du schon viel über mich erfahren haben. Und wenn wir uns treffen, was mich sehr freuen würde, würde ich gerne erfahren, wer Du bist und welche Geschichte Du zu erzählen hast. Wenn Du noch neu in Deutschland bist, sollst Du wissen, dass Du nicht allein bist, denn das wird Dir hoffentlich klar, wenn Du diesen Brief liest. Damit Du und die Menschen, die hier leben, wissen können, wer ich bin und warum wir hier sind, habe ich diesen Brief geschrieben.

Ich komme aus vielen Ländern. Einige davon sind Afghanistan, Syrien, Gambia, Ghana, Ginea, Libanon, Eritrea, Albanien. Ich besuche zur Zeit einen Sprachkurs an einer Schule, die junge Menschen für technische Berufe ausbildet.

Ich möchte später mal als Elektriker oder KFZ Mechaniker arbeiten. Vielleicht werde ich auch Maler, Tischler, Glaser oder Gärtner. Wie Du siehst bin ich noch dabei herauszufinden, welchen Beruf oder welche Ausbildung ich später einmal machen will. Möglicherweise schaffe ich es ja auch so gut Deutsch zu lernen, dass ich mein Abitur oder Fachabitur absolvieren kann, um später zu studieren. Ich möchte später gern unabhängig mein eigenes Geld verdienen. Ich wünsche mir eine eigene Familie, Freunde und Bekannte. Das würde mir dabei helfen, das Gefühl zu haben hier zu Hause zu sein.

Abgesehen von den verschiedenen Religionen denen ich angehöre – zum Beispiel methodistische, orthodox-christliche und verschiedene muslimische Religionen -, spreche ich ca. 20 Sprachen z.B. Farsi, Mandinka, Fula, Tigrinya, Kurdisch, Dari, Pashtu, Bene, Fante, Wallof, Arabisch, Albanisch und natürlich die Kolonialsprachen Englisch, Französisch und Italienisch.

Ich habe Eltern oder Geschwister in meinen Heimatländern zurückgelassen. Ich habe durch Krieg, Krankheit und politische Verfolgung Familienmitglieder, Freunde und Bekannte verloren. Ich habe Dinge gesehen und erlebt, die sich viele Menschen, die hier leben, nicht mal vorstellen können.Trotzdem gehe ich klettern, ich treibe Sport und lerne schwimmen, mache Musik (z.B. Percussion, Krar, Gitarre) und treffe mich mit Freunden. Wir gehen feiern und tanzen. Ich lerne gerne neue Leute kennen.

Die verwirrenden politischen und sozialen Zusammenhänge, die zu meiner Flucht und meiner aktuellen Situation führten, verstehe ich oft selbst nur bruchstückhaft oder gar nicht. Einiges von dem, was ich darüber weiß und selbst erlebt habe, habe ich hier aufgeschrieben.In Eritrea z.B. kann man seine Meinung nicht frei sagen ohne Angst haben zu müssen, dafür ins Gefängnis zu kommen. Männer und Frauen zwischen 16 -50 Jahren können jederzeit zum Militär eingezogen werden. Viele Wehrdienstleistende werden nicht nur in militärischen Aufgabengebieten eingesetzt, sondern werden dafür missbraucht Zwangsarbeiten – wie z.B. landwirtschaftliche Tätigkeiten oder Bauarbeiten – ohne Bezahlung auszuführen. Wer das verweigert, dem droht eine Gefängnisstrafe unter grausamen, oftmals tödlichen Bedingungen.

In Afghanistan werden viele Kinder zwischen 8-15 Jahren von den Taliban verschleppt, um sie für ihre radikalen Zwecke zu erziehen und zu missbrauchen. Wer nicht „belehrbar“ ist, wird gefoltert oder getötet. Die Polizei vor Ort ist korrupt, schlecht organisiert und machtlos. Sie ist nicht in der Lage diese Kinder oder die anderen Menschen vor der brutalen Willkür der Taliban zu schützen. Auch die Regierung und das Militär konnten bislang an dieser Situation nichts ändern. Sie sind machtlos oder werden selbst von den Taliban kontrolliert.

Junge Menschen im Libanon werden von der schiitischen Partei/Miliz Hisbollah gezwungen, das Assad Regime in Syrien als Soldaten zu unterstützen. Wenn man das verweigert, besteht das Risiko, dass die Familie ihren sozialen Status verliert. Sie wird unter Druck gesetzt und es wird ihr Gewalt angedroht, um sie zu zwingen oder zu bestrafen. In vielen Ländern sind vor allem die jungen Menschen noch wirtschaftlich und sozial von ihren Familien abhängig, weil es keinen Sozialstaat wie hier in Deutschland gibt. Das hat zur Folge, dass, falls Eltern und Großeltern gestorben sind, weitere Verwandte die Verantwortung übernehmen müssen, obwohl sie das nicht gerne tun.

Aus meiner Familie haben einige in Deutschland studiert und arbeiten inzwischen hier. Sie haben neue Freunde und nette Nachbarn gefunden und werden hier in Deutschland leben.

Da Du selbst aus einem entfernten Land kommst, kannst Du dir bestimmt vorstellen, wie schwer es war und was es gekostet hat, herzukommen. Du weißt also, dass man dafür zwischen 3000 – 6000 € benötigt. Ich bekam das Geld von meiner Familie, von Bekannten oder Geldverleihern, an die ich es teilweise noch zurückzahlen muss. Von Barentu in Eritrea nach Bremen sind es ca. 10.000 km. Von Kabul in Afghanistan ist der kürzeste Weg nach Bremen 7000 km, von Ghana weit mehr als 8000 km und so weiter.  Wir sind zu Fuß, mit LKW, mit dem Zug, mit dem Schiff und per Anhalter hier her gekommen. Für den Weg brauchten wir 15 Tage, mehrere Monate oder sogar Jahre.Auf meiner Reise habe ich viel gesehen und erlebt. Ich musste mit ansehen, wie Menschen anderen Menschen wehtun, sie verletzen, verraten oder töten. Aber ich habe auch gesehen und selbst erlebt, wie Menschen einander in der Not geholfen haben.

Da ich ohne Papiere unterwegs war, keine Einreisegenehmigung hatte oder einfach der Willkür der Polizei und Milizen ausgesetzt war, musste ich unterwegs im Gefängnis sitzen und dafür bezahlen, um wieder frei zu kommen. Auf der Reise aus Syrien hierher habe ich erlebt, wie bewaffnete Milizionäre in der Sahara unseren LKW gestoppt haben. Alle mussten aussteigen: Frauen auf die eine, Männer auf die andere Seite. Alle mussten sich dann auf den Boden legen. Die Männer wurden brutal mit Gummiknüppeln geschlagen, die Frauen entführt und vergewaltigt. Ein paar Männer aus unserer Gruppe konnten die Milizionäre überwältigen und entwaffnen. Wir konnten dann fliehen, sonst hätten wir vielleicht nicht überlebt. Die von der Miliz getöteten Frauen und Männer haben wir dort in der Wüste vergraben.

Eine andere Geschichte habe ich auf dem Weg von Afghanistan nach Deutschland erlebt.Wir waren eine Gruppe von 50 Personen – Familien, Kinder, Männer und Frauen. An der Grenze von Bulgarien nach Rumänien haben bewaffnete Milizen unsere Gruppe nachts überfallen. Die Menschen sind in der Panik in alle Richtungen geflohen. Dabei wurde ein ca.5 Jahre alter Junge von seinen Eltern getrennt. Also haben wir das Kind getragen, weil es vor Schwäche nicht mehr laufen konnte. Wir haben es getröstet, ihm Geschichten erzählt, und es mit Gras gefüttert, weil wir nichts zu essen hatten. Wegen der Gefahr entdeckt zu werden, mussten wir ihm oft den Mund zu halten, damit niemand das Weinen hört. Dass wir zwei Wochen später die Eltern des Kindes wieder getroffen haben und es nun wieder mit seiner Familie leben kann, kommt wahrscheinlich nicht oft vor. Viele überleben die „Reise“ nicht. Ich hoffe, dass dieses Kind und seine Familie einen Platz gefunden haben, an dem sie glücklich sein können.

Manchmal hatte ich Glück und konnte mit dem Flugzeug kommen. Nicht in allen Ländern, aus denen Menschen wie ich flüchten, herrschen Krieg und offener Terror. Oft sind auch soziale Armut, politische Verfolgung oder die Hoffnung auf bessere Bildungschancen der Grund für meine Flucht.

Und da sind noch andere Dinge, die ich erlebt habe. Darüber möchte ich im Moment nicht sprechen, da ich erst einmal all meine Kraft brauche, um hier klar zu kommen und meinen Platz zu finden. Hoffentlich gibt es irgendwann eine Zeit, in der ich die Vergangenheit verarbeiten und mit ihr abschließen kann.

In der ersten Zeit in Deutschland konnte ich die Sprache nicht. Ich konnte nicht einmal sagen, wie ich heiße. Ich wusste nicht, wie das Wort für Fahrschein heißt, also dachte der Fahrkartenkontrolleur, dass ich schwarzfahren wollte. Ich fühlte mich, als wäre ich dumm, weil ich nichts von dem verstand, was die Leute zu mir sagten und ich bei allem fremde Hilfe brauchte. An meinem ersten Tag in Deutschland war ich auf einem Bahnhof im Süden des Landes. Ich wollte nach Bremen fahren und Landsleute von mir – die mich am Bahnhof ansprachen -sagten mir, dass sie mir helfen und für 200 € eine Fahrkarte nach Bremen kaufen würden. Ich dachte nicht, dass diese Leute Betrüger sein könnten und gab ihnen das Geld. Das Geld und diese Menschen habe ich nie wieder gesehen.

Viele Menschen haben mir hier schon geholfen und das Gefühl gegeben, dass ich willkommen bin. Einige von uns dachten, alle Deutschen seien Rassisten, was sich im Nachhinein als falsch erwiesen hat. Es gibt Menschen, die uns nicht hier haben wollen, aber viele denken nicht so. Auf den ersten Blick wirkten die Deutschen auf mich oft unterkühlt, distanziert und interessenlos. Aber wenn man sie kennenlernt, versteht man, dass nicht alle so sind. Bevor ich herkam, dachte ich, alle Deutschen sind über 1,80 m groß, blond, haben blaue Augen und spielen Fußball. Jetzt weiß ich, dass Menschen aus der ganzen Welt in Deutschland leben und auch die Deutschen selbst unterschiedlich aussehen und denken. Ich hatte es mir leichter vorgestellt, die deutsche Sprache zu lernen. Aber da so viele Menschen es vor mir geschafft haben, bleibe ich dran und gebe nicht auf.

In der Straßenbahn fragte mich eine Frau nach der Uhrzeit. Ich wollte nicht unhöflich sein und versuchte zu sagen, dass ich noch nicht so gut deutsch kann. Als Antwort sagte ich: „Tschuldigung, meine deutsch ist krank“, was die Frau etwas verwirrte. Heute erzähle ich diese Geschichte und muss darüber lachen. Mit dem Zug auf dem Weg von Aachen nach Bremen, musste ich in Osnabrück aussteigen, weil ich keine Fahrkarte hatte. Es war nachts um 00:00 Uhr und der nächste Zug fuhr erst am nächsten Morgen. Während ich darüber nachdachte, wo und wie ich die Nacht verbringen sollte, kam ein junger Mann, fragte was mit mir los sei und bot mir an, bei ihm zu übernachten. Zuerst war ich skeptisch, ob ich mitgehen sollte, aber ich hatte einfach keine bessere Idee. Der Mann gab mir zu essen, ich konnte dort schlafen und am nächsten Morgen hat er mich zum Bahnhof gefahren. Danke dafür!!! Abgesehen von einem warmen Platz zu schlafen, war es gut zu merken, dass man nicht ganz allein hier ist und die Menschen einem helfen.

Neben den Menschen haben mir ganz unterschiedliche Sachen geholfen, schon ein wenig hier anzukommen. Zum Beispiel ein Fahrrad, mit dem ich regelmäßig zur Schule fahren kann. Am Wichtigsten ist aber, dass du jede Chance nutzen solltest, um schnell die Sprache zu lernen. Nicht nur in der Schule kann man Deutsch lernen. Du solltest jede Gelegenheit nutzen, um Deutsch zu sprechen und keine Angst haben etwas Falsches zu sagen. Nette Menschen verstehen, dass du einfach nur die Sprache lernen willst und nicht dumm bist.

Ich habe an einem Projekt teilgenommen, in dem wir neben vielen gemeinsamen Spielen und gemeinsamen Aktionen eine Woche lang Zeit hatten, uns darüber Gedanken zu machen, wie wir in der Zukunft in Deutschland miteinander zusammen leben wollen. Dabei war ich eine Woche lang mit 17 jungen Leuten zum Thema „Wir und Die? Zusammen –Leben – Gestalten“ unterwegs. Einige, die wie ich erst seit 1 bis 2 Jahren hier sind, und deutsche Jugendliche, die hier geboren und aufgewachsen sind. Wir haben festgestellt, wie wenig wir voneinander wissen und uns alle gewünscht, mehr Zeit miteinander zu verbringen, um uns besser kennenzulernen und um voneinander zu lernen. Wir sind einstimmig zu dem Schluss gekommen, dass eine gemeinsame Zukunft nur möglich sein wird, wenn wir mehr von- und übereinander erfahren. Denn nur so können wir Vorurteile, falsche Vorstellungen von einander und Ängste vor Unbekanntem abbauen. Wir würden gerne voneinander lernen, um zu erkennen, welche Stärken wir haben. Dann könnten wir gemeinsam stark sein.

Diese Woche hat mir geholfen wieder ein kleines bisschen mehr hier anzukommen.

Ich hoffe, du kommst gut hier an und triffst viele hilfsbereite Menschen, die Dir helfen auf eigenen Beinen zu stehen. Ich wünsche Dir, dass du deine Stärken erkennst und in einer gemeinsamen Zukunft entfalten kannst.

Dabei wünsche ich Dir

VIEL GLÜCK!

Dein Freund,

Freydun, Dejen, Alah, Amin, Brhane, Pasarjo, Stephen, Abdulaye, Lamin und Andy

Das Seminar wurde von den Teamern René Eichhorn (0176 238 75 888) und Sunny Omwenyeke geleitet und von Grete Schläger als verantwortliche Bildungsreferentin bei Arbeit und Leben Bremen begleitet. Für Rückfragen steht Grete Schläger gerne zur Verfügung (g.schlaeger@aulbremen.de , 0421-9608912).

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