Thema 4/2013: Profession im Prozess

Ein Profi ist laut Wikipedia jemand, „der im Gegensatz zum Amateur oder Dilettanten eine Tätigkeit beruflich oder zum Erwerb des eigenen Lebensunterhalts als Erwerbstätigkeit ausübt.“ Das deckt sich nun leider gar nicht mit der Tätigkeit der vielen Profis, die in der außerschulischen politischen Bildung – auch ausweislich der großen Evaluationen zur Jugend- und Erwachsenenbildung – anzutreffen sind. Dass man damit seinen Lebensunterhalt bestreitet, ist bei den zahlreichen prekär Beschäftigten, bei den Freiberuflern, Ehren- oder Nebenamtlichen eher nicht der Fall. Auch fehlen eine Berufsausbildung oder ein Studiengang, die man offiziell mit dem Zertifikat „Politischer Bildner/-in“ abschließen würde, und in der Öffentlichkeit kann man mit der Berufsbezeichnung nicht viel Eindruck hinterlassen.

Diese Hinweise zeigen bereits, dass der außerschulische, „non-formale“ Sektor seine Besonderheiten aufweist. Professionell geht es hier, wie gesagt, in mancherlei Hinsicht zu. Aber in die Definition von Professionalität spielen viele Bestimmungsfaktoren hinein – gerade im Unterschied zur Rolle des Politiklehrers im allgemeinbildenden Schulsystem. Bildungsreferenten und Bildungsreferentinnen müssen gewissermaßen ihr Berufsfeld selber organisieren, sie sind vor oder nach aller pädagogischen Tätigkeit mit Verwaltungs-, PR-, Marketingaufgaben befasst; sie müssen Kooperations- und Koordinationstätigkeiten ausüben; sie arbeiten nicht Curricula ab, sondern entwickeln neue Konzepte und beteiligen sich am Transfer von Ideen und Innovationen…

All diesen Besonderheiten geht Heft 4/13 des Journals für politische Bildung nach, wobei aktuelle Forschungsprojekte, die noch unterwegs oder gerade abgeschlossen sind, einbezogen werden. Falk Scheidig (Universität Augsburg) bietet eingangs einen Überblick über die Begrifflichkeit und die Grundlinien der Professionsdebatte. Er konzentriert sich auf die Entwicklungen in der politischen Erwachsenenbildung, doch haben seine Überlegungen für den gesamten außerschulischen Bereich Relevanz. Der zweite Beitrag von Prof. Klaus-Peter Hufer (VHS Viersen) und Barbara Menke (Arbeit und Leben) stellt Ergebnisse des ProPol-Projekts „zur Weiterentwicklung der Professionalisierung in der Politischen Bildung durch ein Konzept zur Definition fachlicher Kompetenzen“ vor. Ihm folgen weitere Projektergebnisse. Nadine Balzter, Yan Ristau und Prof. Achim Schröder von der Hochschule Darmstadt berichten über ein Studie, in der ehemalige Teilnehmer von politischen Bildungsveranstaltungen zu ihren Erfahrungen und Erlebnissen befragt wurden.

Klaus Waldmann (Evangelische Trägergruppe) skizziert die Diskussion in der Gemeinsamen Initiative der bundeszentralen Träger politischer Jugendbildung (GEMINI), die im Bundesausschuss Politische Bildung (bap) angesiedelt ist. Zur Professionalität gehört natürlich auch die Frage nach der Ausbildung: Dr. Julika Bürgin (Frankfurt/M.) und Dr. Bettina Lösch (Universität Köln) inspizieren die Hochschule als „wissenschaftlichen Reflexionsort“ für die außerschulische politische Bildung – mit einem eher negativen Ergebnis. Eine Skizze von Johannes Schillo (Redaktion Journal) zu aktuellen Veröffentlichungen und Diskussionslinien in Sachen Professionsentwicklung schließt den Schwerpunkt ab.

Unter QuerDenken resümiert Dr. Helle Becker (Essen) Ergebnisse aktueller Forschungen zu Politikinteresse und Politikdistanz von Jugendlichen – in Deutschland und in Europa. Damit gibt sie auch Anregungen für eine Bildungsarbeit, die sich, etwa im Blick auf die Europawahlen 2014 (dazu auch Hinweise unter der Rubrik ÜberGrenzen), der neuen europäischen Herausforderungen annehmen will. Ein weiterer Blick über die Grenzen richtet sich auf Erfahrungen mit dem Projekt „Politische Bildung in Aktion“. Die folgenden Rubriken enthalten Nachrichten, Kommentare und Materialien zur Bildungsszene.