Parlamentarischer Abend der Bundeszentrale für politische Bildung: bap fordert Vertrauen in die politische Bildung
Wie kann politische Bildung Vertrauen in Demokratie und politische Institutionen stärken? Und welche Rahmenbedingungen braucht sie dafür? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Parlamentarischen Abends der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) am 10. September 2026 in Berlin. Unter dem Titel „Vertrauen schaffen – Demokratie gestalten!“ kamen Vertreter*innen der politischen Bildung und der Bundespolitik zum Austausch zusammen.
Andrea Rühmann, Vorsitzende des bap, vertrat die Perspektive der zivilgesellschaftlichen außerschulischen politischen Bildung. Sie machte deutlich, dass die Pluralität der Trägerlandschaft eine zentrale Stärke der politischen Bildung ist. Als „Dachverband der Dachverbände“ führt der bap unterschiedliche weltanschauliche und institutionelle Traditionen zusammen. Diese Vielfalt ermöglicht unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen Milieus, und aber auch Zielgruppen zu erreichen, die klassischen Bildungsangeboten oder staatlichen Institutionen mit Skepsis begegnen.
Zugleich nahm Rühmann den Faden aus dem Grußwort des parlamentarischen Staatssekretärs Christoph de Vries auf, nach dem die Zivilgesellschaft die unbequeme Partnerin sei, die Kritik äußern dürfe und müsse. Sie betonte die Bedeutung eigenständiger zivilgesellschaftlicher Träger, die entgegen staatlichen Institutionen vielerorts noch über Vertrauen der Menschen verfügen. Sie können Räume für Dialog, Mitbestimmung und politische Teilhabe schaffen. Politische Bildung kann dadurch dazu beitragen, politische Zusammenhänge verständlich zu machen, Informationen kritisch zu bewerten und Vertrauen in demokratische Prozesse zu stärken.
Vertrauen statt zunehmender Verunsicherung
Rühmann verwies zugleich auf eine Entwicklung, die die Träger zunehmend unmittelbar betrifft: Politische Bildung selbst ist stärker zum Gegenstand politischer und medialer Auseinandersetzungen geworden. Parlamentarische Anfragen, zugespitzte Berichterstattung und Debatten über die vermeintliche „Neutralität“ politischer Bildung erzeugten bei Trägern ein zunehmendes Hintergrundrauschen und Verunsicherung.
Ihre zentrale Botschaft an die Politik lautete deshalb: „Vertrauen.“ Es brauche Vertrauen in die Fachlichkeit der Träger und der Förderinstitutionen sowie ausreichend fachliche Freiheit bei der Ausgestaltung politischer Bildungsarbeit. Kontrolle und Transparenz seien selbstverständlich notwendig – doch brauche es eine angemessene Fehlerkultur, die nicht sofort in eine Grundsatzdebatte über die Legitimation politischer Bildung führe.
Auch eine verlässliche Finanzierung sei angesichts aktueller Kürzungen essenziell für den Erhalt der vielfältigen Trägerlandschaft. Darüber hinaus warb Rühmann für einen direkten Austausch zwischen Politik und Trägern: „Sprechen Sie mit uns, bevor über uns gesprochen wird.“ Die Expertise derjenigen, die politische Bildung praktisch umsetzen, müsse stärker in politische Debatten einbezogen werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ihres Beitrags war die Rolle der bpb. Rühmann sprach sich für eine starke und handlungsfähige Bundeszentrale aus, die politische Bildung selbstbewusst vertritt und als wichtige Schnittstelle zwischen Politik, Medien und Trägerlandschaft wirken kann.
Bildnachweise: © Bundeszentrale für politische Bildung/bpb.